Ein schmaler Pfad in einem riesigen Wald unerforschter Möglichkeiten

Fritz Hallers kühnen Entwurf einer „Integrierten Stadt“ aus den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts kann man wohl ohne Übertreibung utopisch nennen. Er skizziert einen megalopolen Lebensraum, der vor allem durch die neuen Maßstäbe, in denen er denkt, neue Dimensionen eröffnet. Es geht hier nicht um Zehntausend oder Hunderttausend, sondern um Milliarden von Bewohnern, die jede dieser Städte von gigantischem Ausmaß, auf der ganzen Welt verteilt, in sich beherbergen sollen.

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Deren individuelle und soziale Bedürfnisse werden ebenso berücksichtigt wie die Anforderungen an Infrastruktur aller Art und vor allem auch die Bedürfnisse der Natur. Privaten Autoverkehr gibt es nicht. Der Transport erfolgt über ein umweltfreundliches Bahnsystem, das sich auf Kurz- und Mittelstrecken kontinuierlich zwischen Knotenpunkten hin- und herbewegt und die Beförderung von der Wohnung zum Arbeitsplatz in maximal 45 Minuten vorsieht. Langstrecken werden entweder im Hochgeschwindigkeitszug zurückgelegt oder, wenn es um globale Distanzen geht, in Flugzeugen der nächsten Generation, die in zweieinhalb Stunden die Strecke von New York nach Frankfurt zurücklegen können.

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Ein ganzheitlicher ökologischer Ansatz, der durch die Dimensionen, in denen er sich bewegt, eine Mischung aus Faszination und Erschrecken auslösen kann. Bis hin zu den Zeichnungen, die eine grandiose geometrisch-geographische Ordnung visualisieren und deren Ästhetik ebenso funktional wie furchteinflößend erscheint. Dabei war es vor allem immer auch der weite Raum, den die Natur in diesem Konzept einnimmt, und damit verbunden die bewusste Selbstbegrenzung des Menschen in seinem Lebensraum zugunsten seiner natürlichen Umwelt, der mich an Hallers globalem Besiedlungskonzept angesprochen hat.

Wie jede wirkliche Utopie stellt dieser Entwurf viele Nebenprobleme zurück, fokussiert aufs Grundlegende und fordert vor allem erst einmal die Vorstellungskraft heraus. Und in der ihm eigenen Bescheidenheit stellte Haller im ersten der zwei Bände seinerzeit fest: „die bedeutung der ganzen arbeit ist nicht größer als diejenige eines schmalen pfades in einem riesigen wald unerforschter möglichkeiten.“

Die Zeichnungen stammen aus „fritz haller: integral urban – a global model. walter-verlag olten, 1975. Das Zitat stammt aus dem Band „fritz haller: integral urban – a model. walter-verlag olten 1968.

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